Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich vor ein paar Wochen auf ZEIT ONLINE gelesen habe, dass Singapur eine Schulreform durchführen wird. Die Schüler sollen nun neben den naturwissenschaftlichen Fächern auch lernen kreativ zu sein, sie sollen Ideenreich sein und problemorientiert Denken, die Usability scheint in den Fokus zu rücken.

Warum tun sie das, nachdem deren Schülern in den Pisa-Tests an der Spitze waren? http://www.zeit.de/2017/07/singapur-pisa-schulen-bildung-schulsystem

 

Warum sollte man ein System ändern, welches so gut funktioniert?

Nun ja, zum einen bildet die Pisa Studie sicherlich nur einen kleinen Teil des menschlichen Könnens ab. Kreativität lässt sich nun mal nicht so einfach messen, wie Mathematik. Zum anderen leben wir in einem Zeitalter, in dem Design eine viel zentralere Rolle spielt als zuvor. Durch den sehr schnellen technologischen Fortschritt in den letzten Jahrzehnten und den damit einhergehenden neuen Möglichkeiten, ist es notwendig immer neue Schnittstellen zu entwickeln mit denen die Menschen die erdachten Technologien bestmöglich steuern können. Angefangen vom Handy, über das Touchdisplay, hin zu Gestensteuerungen und sprachgesteuerten Interfaces ist heutzutage eine viel größere Vielfalt an Interaktionsmöglichkeiten mit Dingen möglich, als dies noch vor 20 Jahren war. Die Errungenschaften und das gewonnene Wissen über die Usability hält nun Einzug in Bereiche in denen es jahrzehntelang nur wenige Fortschritte hinsichtlich der benutzerfreundlichkeit gab. Wir befinden uns am Beginn eines Zeitalters, in der die Technologie in weit mehr Sektoren Einzug halten wird als bisher. Und das ist der Grund war Singapur sein Schulsystem um Kreativität erweitern möchte.

Usability – Fail

Früher benötigten Verbesserungen der Usability eine sehr lange Zeit, bis sie Einzug in ein Produkt hielten. Ein schönes Beispiel ist die Qwerty-Tastatur die keineswegs darauf ausgelegt mit ihr möglichst schnell Wörter schreiben zu können, stattdessen ist der Ursprung ganz anderer Natur. Das Layout wurde für Schreibmaschinen konzipiert, deren Typenhebel sich oft verkeilten. Man passte das Layout also so an, dass die häufigsten Buchstabenkombinationen möglichst weit auseinanderlagen. Im Grunde hat sich also das benutzerunfreundlichste Design durchgesetzt. Oder überlegen sie, wie viele Jahre nötig waren, um die Servolenkung einzuführen. Auch das Lenkrad ist auf keinen Fall das ergonomisch sinnvollste Steuergerät für ein Auto. Dennoch haben sich diese Steuerelemente durchgesetzt.

Kommen heutzutage neue Geräte auf den Markt, wird sich Großteils das Produkt durchsetzen, welches von den Usern am natürlichsten gesteuert werden kann. Die Arbeit als Usability Experte ist also wichtiger denn je. Bei den bekanntesten Technologien die zurzeit entwickelt werden, handelt es sich ausschließlich um neue Arten der Interaktion zwischen Usern und Internet. Der Kern liegt jedoch in der neuen Steuerung der Technologie, sei es durch die oben erwähnte Sprachsteuerung, Gestensteuerung, Touchdisplays oder Augmented Reality, immer liegt der Fokus auf einem neuen Berührungspunkt zwischen Mensch und Maschine.

Im Grunde geht es also um nichts Anderes, als alle Interaktionsmöglichkeiten zwischen Mensch und Maschine durchzuprobieren und eine der Interaktion entsprechenden, neuen Darstellungsform von Informationen, zu entwickeln.

 

Alles was unser Leben erleichtert wird sich durchsetzen, sonst würden wir immer noch mit einem Stein, statt eines Hammers arbeiten.

 

Die (sehr) nahe Zukunft wird jedoch Berührungspunkte mit Maschinen bieten, die wir kaum noch steuern müssen. Die Informationen die wir benötigen, werden uns genau dann angezeigt, wenn wir sie brauchen. Uns wird jeder Wunsch vollautomatisch von den Augen abgelesen werden.

Usability Experten sollten deshalb schon heute grundlegendes Wissen über Ergonomie, biophysikalische Prozesse, kulturspezifische Eigenschaften und Datenanalysen haben.