Nachdem das erste Viertel eines neuen Jahres verstrichen ist, versuche ich stets zu verreisen. Zu dieser Zeit habe ich die letzten lästigen Arbeiten aus dem vergangen Jahr hinter mich gebracht und kann mir einen Ankerpunkt für das neue Jahr schaffen, aus dem ich Kraft ziehen kann.  Natürlich hat es auch ganz praktische Gründe, denn zu dieser Zeit ist der Höhepunkt der Pollensaison und den unangenehmen Folgen gehe ich natürlich gerne aus dem Weg.

 

Für jemanden der sich der Nutzerfreundlichkeit verschrieben hat, ist es natürlich ein Hochgenuss seinen Urlaub in einem guten Hotel zu verbringen. Wo sonst wird dem Benutzer ein so hohes Maß an Aufmerksamkeit geschenkt? Ich versuche dabei jedes Mal an einen anderen Fleck auf der Erde zu fahren. Noch nie war ich zwei Mal in dem gleichen Hotel. Zum einen, um neue Eindrücke von Land und Leuten zu gewinnen, zum anderen hat jedes Hotel andere Besonderheiten um die Hotel UX zu verbessern, was mich auch aus beruflicher Sicht interessiert.

 

Wie erwähnt, mache ich nur einmal am Anfang des Jahres einen größeren Urlaub. Je mehr Tage im Kalender verstreichen, desto mehr verblassen natürlich die schönen Erinnerungen und die emotionale Bindung zum Hotel geht verloren. Mein Bedürfnis an diesen Ort zurückzukehren sinkt dementsprechend.

 

Im letzten Jahr ist jedoch etwas Neues geschehen. Dieses Hotel hat etwas getan, dass ich in der Form noch nie erlebt habe und das mich tatsächlich dazu bewegen wird, erneut in dieses Hotel zu fahren. Der Titel des Blogeintrags hat natürlich schon verraten worum es geht. Shampoo! Natürlich fragen sie sich: „Wegen eines Shampoos nochmal in ein Hotel fahren? Das ist verrückt!“ Nein ist es nicht, denn ein Shampoo ist ideal, um eine starke Userbindung herzustellen.

 

  1. Durch die Verknüpfung mit einem Duft können wir uns wesentlich stärker an ein bestimmtes Erlebnis unseres Lebens erinnern. Düfte können unterbewusst sehr starke Emotionen auslösen. Die bekannteste Suggestion ist hier sicher der Neuwagengeruch eines neuen Fahrzeugs. Auch haben wir alle schon von Pheromonen usw. gehört und wie bestimmte Duftstoffe uns unterbewusst steuern. Wir wissen also, wie wichtig Düfte für unser Leben sind.

Dieser Duft hat mich also jeden Tag, wenn ich unter der Dusche stehe an den wunderschönen Urlaub erinnert, den ich an diesem Ort verbracht habe. (Ich muss dazu sagen, dass ich angefangen habe, dass Shampoo im Hotel einzusammeln und einen Vorrat für Zuhause anzulegen).

  1. Wie die meisten Menschen dusche ich jeden Morgen. Ich fühl mich einfach fitter, sauberer und wohler. Der Kreislauf wird angeregt, das Lebensgefühl verbessert sich. Das gutriechende Shampoo, mit dem ich die tollen Urlaubserinnerungen verbinde, hinterlässt in der Dusche, also jeden Tag ein kleines Lächeln auf meinem Gesicht und lässt mich fröhlicher in den Morgen starten.
  2. Das Shampoo ist deshalb so clever, weil es eine perfekte Suggestionskette auslöst. Zum einen ist man durch den Duft an den Urlaub erinnert, die Erinnerung daran, sorgt für gute Laune und durch die gute Laune wird der gesamte Tag besser. Dieses bessere Lebensgefühl sorgt wiederum dafür, dass ich in das Hotel zurückmöchte.

 

Was hat die Hotel UX also so besonders gemacht? Im Gegensatz zu anderen Hotels in dem ich war, an denen meistens irgendein austauschbares Shampoo zur Verfügung stand und ich daraufhin mein von Zuhause mitgebrachtes Shampoo verwendete, hat dieses Hotel eine komplett eigene Marke mit Beauty-Produkten kreiert. Neben dem Shampoo gab es noch viele andere tolle Produkte, die man mit gutem Gewissen verwenden konnte. Alle Produkte hatten Bio-Qualität, sie wurden aus den vor Ort beheimateten Blüten und Kräutern hergestellt, sie waren in einer schön designten Flasche abgefüllt und erfüllten alle Kriterien die ich an ein gutes Produkt stelle, es war sogar besser als das Shampoo, das ich täglich verwende.

 

Viele Hotels geben einem bei der Abreise irgendeinen Gegenstand mit, der uns an einen tollen Urlaub erinnern soll. Dies sind oft Armbänder oder Halsketten oder ähnliche Dinge, oft verbunden mit einer Geschichte, die aus der Mystik der dort beheimateten Völker stammt. Aber sind wir ehrlich, diese Dinge stören. Schon wenn mir das Halsband von einem netten Hotelangestellten angelegt wird denke ich daran, dass die Hotelleitung sich das Geld sparen könnte. Natürlich weise ich das Geschenk aus Respekt gegenüber der damit verbundenen Geschichte nicht zurück, man möchte ja höflich bleiben, aber es beginnt ein Bruch in der Hotel UX. Ich verbinde den Abschied mit einem negativen Gefühl. Ohnehin sind abreisen stressig, man muss früh aufstehen, man hat keine Lust auf den langen Flug und schon gar keine Lust auf Klimbim. Spätestens wenn ich zuhause bin, schmeiße ich die Sachen weg.

Diametral dazu steht das Shampoo, da dies keinen Bruch zu meinem Leben zuhause darstellt. Es wird mir nicht aufgedrängt. Ketten und Armbänder trage ich nicht, ein Shampoo verwende ich jeden Tag.

 

Wie man sieht lohnt es sich, Geld in kleine Dinge zu stecken. Oftmals sind die alltäglichen Schnittstellen zwischen Produkt (Hotel) und Kunde (Gast) wichtiger, als die großen offensichtlicheren. Beginnen sie jede Schnittstelle die ein Kunde mit Ihrem Produkt hat zu bewerten, denn kleine Dinge führen oft zu großen Ärgernissen.

 

Denken Sie an Ihren letzten Hotelaufenthalt, finden sie nicht auch, dass das Feuerwerk am Wochenende, Eisskulpturen, Tanz- und Showeinlagen, Gemüseschnitzereien, riesige Braten und gefühlte 50 verschiedene Kuchen eingespart werden könnten und durch gute Duscharmaturen, ein bequemes Bett, hervorragenden Kaffee, gutes Brot, gratis Wlan und gratis Wasser ersetzt werden könnten?